Farmville!

Ich benutze seit etwa 25 Jahren einen PC und seit etwa 13 Jahren Internet, war aber gegenüber Computerspielen immer sehr zurückhaltend. Das erste Spiel, bei dem es mich voll erwischt hat, ist Farmville, für das ein Facebook-Account Voraussetzung ist.

In Farmville geht es darum, Tiere zu halten und Pflanzen anzubauen. Der Anbau von Pflanzen erfolgt in 2 Schritten: Zunächst muß man eine Ackerfläche pflügen, schließlich kann man etwas anpflanzen (und dann später ernten).
Es existieren 3 Werte, die für Farmville maßgeblich sind; Coins, Cash und XP. Coins benötigt man zum Kaufen von Pflanzen, Gebäuden usf. Cash benötigt man zum Kaufen ungewöhnlicher Dinge, bzw. zum Beschleunigen seines Weiterkommens in Farmville; XP benötigt man, um höhere Level zu erreichen, in denen man erweiterte Möglichkeiten hat, was man anbauen und in Farmville machen kann.
Das Spiel an sich ist kostenlos; um weiterzukommen reichen Coins und XP aus. FV Cash erhält man mit dem Erreichen eines neuen Levels, manchmal auch mit Mystery Gifts oder Mytery Eggs. FV Cash kann man via Facebook oder Zynga kaufen. 115 FV Cash kosten 20 U$, also zur Zeit etwa 16 Euro. Zum Kauf von FV Cash gibt es unterschiedliche Ansichten: Die einen meinen, man würde mit dem Kauf von FV Cash pfuschen, die anderen, die Macher des Gratisspiels wirtschaftlich unterstützen. Jeder muß für sich herausfinden, wobei er sich besser fühlt: Der eine wird sich besser fühlen, wenn er keine Barmittel zum Spielen einsetzt, der andere, wenn er Zynga angelegentlich was in die Kaffekasse wirft.

Warnung (I): Auf Facebook kursieren Kettenbriefe 33, 330 oder sonstwieviel Farmville Cash gratis. Das Anklicken dieser Postings bringt entweder Abofallen oder gar nichts, in jedem Fall kein FV Cash für lau. FV bekommt man entweder innerhalb von Farmville geschenkt, muß es kaufen oder kann Facebook-Gutschriften in FV Cash umtauschen. Es gibt keinen anderen Weg, um zu Cash zu kommen, so schön es auch wäre.
Warnung (II): Farmville/Zynga bietet Mystery Games an, deren Teilnahme FV Cash kostet. Vor der Teilnahme an einem solchen Spiel sollte man sich vergewissern, ob es sich wirklich für einen lohnt, daran teilzunehmen. Wenn man ein hübsches Häuschen gewinnen möchte, um seine Farm zu verschönern, oder ein seltenes Tier, mag man sein Glück auf diese Weise versuchen — zum Weiterkommen innerhalb des Spiels trägt das Glücksspiel ab nicht bei.

Farmville ist ein Social Game und nicht umsonst im Social Network Facebook verankert: Um die Anbauflächen zu vergrößern, benötigt man Nachbarn. Und Nachbarn müssen erst einmal Facebook-Freunde werden. Innerhalb von Facebook gibt es zahlreiche aktuelle Gruppen, in denen Farmville-Nachbarn gesucht werden. Benötigt man Nachbarn, so kann man sich hier bis zum Abwinken eindecken. Nachbarn sind nicht nur für Vergrößerungen wichtig, sondern auch, um Geschenke versenden und erhalten zu können, beim Bau bestimmter Dinge (z.B. Bienenstock, Garage, Hühner- oder Pferdestall); man kann zahlreiche Goodies erhalten, die via Facebook geteilt und gepostet werden, z.B. Coins für Auszeichnungen, Öl oder Bushels, die man in seiner eigenen Kelterei oder Bäckerei benutzen kann. Facebookfreunde, bzw. Farmvillenachbarn sind auch wichtig, um Sachen an den Mann oder an die Frau zu bringen, die man in seinen eigenen Betrieben erwirtschaftet hat. In einer Bäckerei kann man Brot backen; wenn ein Brot via Facebook geposted wird, kann man es abgreifen und via Farmville Use Goods in Öl umtauschen.

Öl/Fuel/Treibstoff ist nötig, um gekaufte Hilfsmittel wie Harvester, Tractor oder Seeder betreiben zu können. Besitzt man kein Öl/Fuel/Treibstoff, so muß man, wenn man Pflanzen anbaut, jede Fläche einzeln anklicken. Mit den Hilfsmitteln geht dies schneller, zumal die Fläche, die man mit einem Click bearbeiten kann, über die Garage (in der man seine Traktoren auch gut unterstellen kann) weiter vergrößert werden kann.

Bei den Hilfsmitteln ist noch ein Doppeldecker (Biplane) verfügbar. Ein Flug des Doppeldeckers bewirkt, daß alles, was man angebaut hat, sofort reif und zu ernten ist. Der Doppeldecker frißt aber kein Fuel, sondern Farmville Cash; die Kosten sind von der Anzahl der bebauten Flächen abhängig.

In Facebook kann man viel kaufen, was dem persönlichen Geschmack überlassen bleibt. So ist der Bienenstock zwar nett, bringt aber wenig. Der Hühnerstall hingegen kann sehr viel Spaß machen, weil man dort Mystery Eggs finden kann. Einen Zusammenhang, ob es besonders tolle Eier gibt, wenn man besonders wertvolle Hühner in seinem Stall hat, konnte ich noch nicht feststellen; in jedem Fall kann man die Hühnerställe seiner Nachbarn einmal täglich nach dem Düngen der Nachbarsäcker besuchen und einfache oder wertvolle Eier finden. Mystery Eggs, die man im eigenen Stall findet, kann man nicht benutzen, sondern nur teilen – es handelt sich ja nun um ein Social Game.

Eine häufige Frage in Facebook lautet, was man am besten anbaut. Leider läßt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Zum einen richtet sich das, was man anbauen kann, danach, welchen Level man erreicht hat, zum anderen muß man wissen, was man erwirtschaften will, also Coins (weil man sich etwas kaufen will), XP (weil man ein höheres Level erreichen will) oder Bushels für Spa, Bäckerei oder Kelterei. Zudem muß man berücksichtigen, daß die Pflanzen unterschiedlich lange brauchen, bis man sie wieder ernten kann. Eine Tabelle findet man im Farmville-Wiki, den ich am Ende liste.

Also, viel Spaß bei Farmville, viele Nachbarn, fette Ernte und schöne Eier!

Nützliche Links:
Farmville-Wiki: http://farmville.wikia.com/wiki/FarmVille_Wiki
Farmville-Blog von Zynga mit allen Neuigkeiten: http://blog.farmville.com/
Täglich aktualisierter Farmville-Fanblog: http://farmvillefreak.com/

Schlammschlacht

Nun ja, die Wuppertalbewegung mit ihrer Nordbahntrasse ist für mich sehr ambivalent: Auf der einen Seite baut sie einen grandiosen Freizeitpfad aus, auf der anderen Seite asphaltiert sie gerade das letzte Stück Wuppertaler Wildnis zu (ich rede schon gar nicht von Tunneln und Fledermäusen). Aktuell ist ein Konflikt in den lokalen Schlagzeilen, daß ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Wuppertalbewegung eine ehrenamtliche Tätigkeit mit unkonventionellen Mitteln in eine wirtschaftliche Tätigkeit umwandeln wollte. Wenn die Wuppertalinitiative schon so “na ja” ist, hat die wilhelm innovative medien GmbH aktuell nun auch voll in die Kloschüssel gegriffen, um einen kleinen, lächerlichen Machtkampf mit der Wuppertalbewegung auszufechten. Stellungnahmen beider Parteien gibt es bei njuuz.de. Die innovative Wilhelm GmbH hat nun eine Zeit lang die Seite wuppertalbewegung.de gehostet, aber dann bei ebay zum Verkauf angeboten. Aktuell gibt es, wie kulant von Wilhelm, innovativ, eine Weiterleitung zur wuppertalbewegung-ev.de, deren Domain auf den Vorsitzenden der Wuppertalbewegung registriert ist.
Vereinsmeierei im schlimmsten Maße: Da träumt der eine von lukrativen Geldern, der andere von Riesenmengen an Asphalt quer durch Wuppertal. Beides erscheint mir nicht wirklich sympathisch.

Themen des Tages

  • Gekränkte Selbstherrlichkeit: Der Bundespräsident dankt ab (oder: eine Nation ohne Staatsoberhaupt)
  • Praktizierte Selbstherrlichkeit: Muslimische Selbsthilfegruppe gerät in Seenot (ihr solltet Ashdod anlaufen, nicht Gaza, war schon gestern bekannt; da helfen auch Promi-Schutzschilder nicht an Bord)
  • Dreckige Selbstherrlichkeit: BP saut die Vereinigten Staaten weiter ein (wäre nicht schlimm, aber Mensch und Tier fühlen sich dabei klebrig-dreckig)
  • Noch immer herrlich: Lena Meyer-Landrut hat in der Nacht zu Sonntag den Eurovision Song Contest gewonnen.
  • Einfach nur schön

    Lena Meyer-Landrut gewinnt mit ihrem Titel Satellite den Grand Prix Eurovision de la Chanson, ups, den Eurovision Song Contest 2010 in Oslo. Hape Kerkeling erfüllt sich seinen Wunschtraum, einmal die Punkte für Deutschland verlesen zu können. — Was für ein schöner, großer Abend. — Wermutstropfen: Deutschland gibt Israel keine Punkte (ich hab schon ne SMS losgeschickt!), Israel mal wieder Deutschland keine. Das ist traurig, insbesondere wegen Nicole in Jerusalem 1982…
    Der größte Sieger aller 55 Grand Prix ist und bleibt aber Marc-Antoine Charpentier mit seinem Te Deum (gut, ist was zum Nachdenken, ist ja schon spät).

    Die robots.txt der Sun

    ##ACAP version=1.0#Last updated: 26/11/2007
    #The Sun Online Newspaper
    #Site contents copyright 2007 News Group Newspapers Ltd.#Please note our terms and conditions - see
    #http://www.thesun.co.uk/section/0,,22,00.html
    #Spidering is not allowed by our terms and conditions
    #Authorised spidering is subject to permission
    #For authorisation please contact us - see
    #http://www.nisyndication.com/about_us.html
    
    #Agent Specific Disallowed Sections
    User-agent: NewsNow
    Disallow: /
    User-agent: Omgili
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    User-agent: WebZip
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    User-agent: psbot
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    User-agent: ia_archiver
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    User-agent: Meltwater
    Disallow: /

    http://www.thesun.co.uk/robots.txt – Der letzte Eintrag ist frisch. Zu den Hintergründen siehe paidcontent.org.

    Wuppertal-Update

    Offen gestanden: Ich habe wochenlang kommunalpolitische Themen hier aus dem Tal vernachlässigt. Ein Artikel der WZ über negative Stimmen zu einem gigantomanischen Bauprojekt von Uwe Clees, diesmal in Vohwinkel, dient mir als Aufhänger, wieder etwas in die Runde zu werfen. In dem WZ-Artikel wird vom Händler-Verband nicht ganz zu unrecht gerügt, daß der Wülfrather Unternehmer mit dem Wicküler-Park (wieso eigentlich Park: gibt’s da Blümchen, Bäume, Wiesen?) ein erstaunlich totes Händchen für städtebauliche Leuchtturmprojekte bewiesen hat. Der Wicküler-”Park” ist eine gruselige Betonbrache, die jeder Wuppertaler gerne umschifft. Wenn ich es richtig sehe, war dieses Projekt das Entreebillet von Clees für Wuppertal. Dicht gefolgt wurde dieses Vorhaben von den “Stadtvillen” an der Katernberger Straße, die lange die Gerichte beschäftigten. Immerhin war hier Clees Trendsetter im Briller Viertel, großzügige parkähnliche Anlagen mit Neubauten vollzupferchen. (Kann Herr Clees, der sich sogar für die Immobilien der LEG interessiert hat, nur Großgroß? — Es gibt ja nun einmal hier in Wuppertal hinreichend viele Altbauten, die auf einen Investor warten!)

    Aber zurück zu Vohwinkel: Wenn man in der Nähe der Elberfelder Innenstadt wohnt und die Friedrich-Ebert-Straße unterhalb der Hausnummer 100 als “seine” Einkaufsstraße empfindet, der wir die Vohwinkeler Kaiserstaße als Paradies empfinden: Dort haben sich nicht nur alle Discounter (netto, Aldi, Lidl) angesiedelt, es gibt zudem noch einen Kaufpark und einen akzenta-Markt (und noch dazu den vielleicht nettesten in Wuppertal). In Vohwinkel ist sehr viel zentral und zu Fuß zu erreichen, während man auf der Friedrich-Ebert-Straße lange nach einem Stück Käse oder Fisch suchen kann: Nicht nur Einzelhändler haben sich hier zurückgezogen, auch Kaufpark – und Aldi wäre auch schon längst Vergangenheit, wenn die Kommunalpolitik nicht die Notbremse gezogen hätte. Wieso jetzt Vohwinkel ein zusätzliches Einkaufszentrum braucht und wer da einkaufen soll, wird das große Geheimnis derer bleiben, die für ein solches Projekt plädiert haben. Und die Entwürfe für die Meile von Lienhardplatz bis zur ehemaligen Eissporthalle (und mitten drin die schöne Holzgroßhandlung, vor und in der ein Teil des Anfangs von Tom Tykwers Der Krieger und die Kaiserin gedreht wurde) wirken so gruselig wie die jetzige leerstehende Bebauung — und der Wicküler-”Park”.

    Und sonst: Da wurde noch für den Erhalt des Wuppertaler Schauspielhauses gekämpft — am Welttheatertag. Eine sympathische Geste. Allerdings hilft da wohl nur beten, daß ein (im übrigen architektonisch wunderbares) Gebäude für kulturelle Nutzung erhalten bleibt. Die Politiker haben lange geschlafen: Statt Tanzhaus NRW und Pact Zollverein hätte eine solche Instititution gut wegen Pina Bauch und ihrem Tanztheater ins Tal gepaßt: Ins Schauspielhaus… Alle Züge dafür sind aber abgefahren. Und wozu Kultur in Elberfeld? Hier gibt es noch nicht einmal ein Programmkino!

    A propos Züge: Den Rundumschlag beendend hat die Eurobahn endlich ihre Züge für den RE13 erhalten. Insofern gibt’s wieder entspannteres Fahren von und nach Düsseldorf. Witzigerweise gibt es auf bahn.de keine Vorhersagen, ob die Züge der Eurobahn wohl pünktlich sind. Nutzt die Eurobahn nicht Gleise und Bahnhöfe der Bahn? Fallen die Stadler-Züge ganz unvorhergesehen aus einem schwarzen Loch in einen Bahnhof? Oder mobbt da die Bahn ihre privaten Mitanbieter zum Nachteil der ÖPNV-Kunden?

    Paid Content made in GB

    Über die bizarren Umtriebe der britischen NLA habe ich ja schon berichtet, eventuell ausgelassen, daß zwei britische Verlage noch gesondert kassieren wollen, nämlich Times und Financial Times (ich verlinke die mal nicht!). Insofern kursieren in den letzten Tagen Meldungen im Netz, die die neuen Modelle vorstellen. Jeder registrierte Nutzer soll die Gelegenheit haben, ein paar Artikel gratis abzurufen. Bis dato bieten beide Medien über den Google-Referer ihre Inhalte gratis an — aus Furcht wohl, daß sie von der einflußreichen Suchmaschine ausgelistet werden könnten.
    Im Greenslade Blog des Guardian macht sich Stephen Brook über die Paid-Content-Aktivitäten der Times witzig: Im Blogbeitrag ist von einer “paywall” die Rede sowie, weil die neuen Loginbestimmungen im Mai umgesetzt werden sollen, auch von “May Day”.
    Sämtliche englischen Verleger sind im Begriff, sich komplett lächerlich zu machen: Rebekah Brooks der Times bejammert, daß es für Qualitätsjournalismus auch im Internet Geld geben müsse. Daß Finanzierungen über Werbung gut funktionieren, Premium-Content gerne bezahlt wird, die Werbebranche im Internet starke Zuwächse erlebt und Internetartikel von Printzeitungen ohnehin im überwiegenden Fall Zweitverwertungen sind, wird irgendwie auf der britischen Insel nicht wahrgenommen.
    Den Paid Content von Times und FT als “paywall” zu bezeichnen, erscheint mir nicht ganz verkehrt. Die Insel baut gerade eine Bezahlmauer: Wer rein will, soll zahlen. Dabei ist es gar nicht das Schlimmste, irgendeine fee für irgendwelche journalistischen Inhalte zahlen zu sollen. Zum einen ist der Wettbewerbsvorteil, den die britischen Verleger google verschaffen, empörend (google darf alles und verdient sich damit dumm und dämlich); zum anderen sind die technischen Schranken, die für die gesteuerte Zugriffsfilterung via Login errichtet werden, nicht zu unterschätzen, weil sie den freien (und unkontrollierten) Zugang zu Informationen im Internet hemmen.
    Den Mund sollte auch der Guardian nicht zu voll nehmen. Immerhin gehört auch dieses Blättchen zur NLA, die gerade die Medienbeobachter (aber nicht google) abzocken wollen. So hat die Times Meltwater gesperrt, weil Meltwater nicht für einfache Links bezahlen möchte und die Rahmenverträge der NLA nicht unterzeichnet hat (wie im übrigen auch alle deutschen Medienbeobachter nicht).
    Da breitet sich von Großbritannien eine Art von Krieg aus. Und ich hoffe, daß das gänzlich branchenfremde Mayday- und “Ich-will-Geld”-Geschreie der britischen Verlage ein jämmerliches und qualvolles Ende findet. — Sollte es nicht, wird die Geschichte der Onlinemedien ohne die Angelsachsen fortgeschrieben, die sich gerne ohnehin etwas zu wichtig nehmen.

    Impressionen vom 1. Deutschen Medienbeobachterkongreß

    Ich glaube, es war Andreas Quest von X-Ray, der da etwas auf den Punkt brachte: Die Dachorganisation der Medienbeoachter ist die FIBEP, die eigentlich auch eine deutsche Sektion hat. Allerdings scheinen die großen deutschen Medienbeobachter ein eher passives Interesse an Verbands- und Lobbytätigkeit zu haben; irgendwelche Aktivitäten der deutschen Sektion gibt es seit Jahren nicht mehr. Daran wird die FIBEP nicht schuld sein, eher eine Desorientierung, Phlegmatisierung und gar eine gewisse Geheimniskrämerei oder Eigenbrötelei der Großen hier zu Lande. — So war es kein Medienbeobachter im herkömmlichen Sinn, sondern eher ein Anbieter von sonstigen Lösungen für PR-Verantwortliche, der das initiiert und gestemmt hat: Rainer Maassen von Convento in Neuss.

    Knapp 200 Gäste haben heute dieses Angebot wahrgenommen und sind in die Stadtsparkasse Düsseldorf gekommen. Die Zuhörer, bzw. die, die der Einladung von Convento gefolgt waren, entstammten unterschiedlichen Metiers. Neben Medienbeobachtern im eigentlichen Sinne, waren auch PR-Verantwortliche und PR-Berater aufzuspüren. Quasi ein runder Tisch der Branche.

    So interessant die Vielfalt bei den Gästen war, bei den Referenten und Referaten führte diese Heterogenität zu etwas, das, ich glaube, sogar dem ansonsten sehr souveränen Moderator Rainer Bartel, als faux-pas unterlief. Da war auf einmal die Rede vom Kommunikationskongreß; aber das wäre nicht der erste gewesen und der hätte auch nicht in Düsseldorf, sondern in Berlin stattgefunden.

    Unter der Devise Medienbeobachterkongreß waren 4 von 6 Referaten komplett deplaziert: Denn außer Christian Heinisch von Newbase und Andreas Quest von X-Ray wurden hier keine neuen oder irgendwie interessanten Medienbeobachtungsansätze vorgestellt. Mit dem Eröffnungsvortrag rauschte der wohl als eingekaufte Gallionsfigur angedachte Lothar Rolke mit einer heruntergehasteten BWL-Vorlesung fast am meisten am Thema komplett vorbei; und was Christian Naucke erleuchtendes zum Thema der Tagung beitragen wollte, ist den meisten Hörern verschlossen geblieben; jedenfalls verschloß sich der Referent auch vollständig dem Thema seines eigenen Beitrags: Medienresonanzanalyse. Außer der im Zusammenhang der Medienbeobachtung gänzlich unerheblichen Feststellung, welche Direktversicherungen sich am besten verkaufen, gab’s gratis und ungefragt noch unerwünschte Indiskretionen dazu, daß KarstadtQuelle 4 Millionen Kundendaten für die Kaltakquise im Direktversicherungsgeschäft benutzt hat. Ebenfalls noch komplett am Thema vorbei, dafür kräftig auf dem Gebiet der EigenPR unterwegs war Matthias Hoffmann von Dow Jones – aber wenigstens neben X-Ray und Newbase Sponsor der Veranstaltung. Hier erfuhr man alles über japanische Gaspedale, aber wenig dazu, wie Medienbeobachtung ein Problem zeitnah erfaßt und wie darauf aufbauend in PR-Maßnahmen einer kleinen Katastrophe wirkungsvoll entgegengewirkt wurde. Spaßiger Weise war der Beitrag zu einem Desaster übertitelt mit “Erfolgsmessung in der Unternehmenskommunikation” — Leute, bevor Ihr anfangt zu reden, prägt Euch Euer Thema ein! Möglicherweise auch noch das Thema der Veranstaltung, auf der Ihr sprecht!

    Voller Elan mit sympathisch-kompetenter Ausstrahlung entführte Martin Bredl von der Telekom Austria die Hörer auf das Gebiet der Meinungsbeobachtung. Eine seiner Aussagen war recht interessant: Während bei der Medienbeobachtung tendenziell negative Stimmen aus der Presse zu hören waren, gab es auf dem Gebiet der Meinungsbeobachtung weitaus positivere Stimmen zu den relevanten Themen. Sind Journalisten Miesmacher? Ist Medienbeobachtung negativ? – Über diese Frage nachzudenken, lohnt sich. – Jedenfalls hätte man auch die Frage zurückgeben können, ob die Evaluierung von Meinungen im Internet bei Foren, Blogs, Verbraucherportalen, Tweets sowie in sozialen Netzwerken nicht auch eine Ergänzung wenn nicht gar eine kosteneffiziente Alternative zur Markt- und Meinungsforschung darstellen könnte.

    Für  PR-Verantwortliche war die Tagung möglicherweise interessant; für Medienbeobachter war sie eher etwas defizitär. Aber selber schuld: Wenn Ausschnitt, Cision/Infopaq, Meltwater, Presswatch/Kantar Media, Unicepta oder pressrelations nichts selber zum Erfahrungsaustausch für ihre Kunden und Mitanbieter in die Wege leiten, bleibt das alles in fremder Hand mit den entsprechenden negativen Konnotationen fehlender thematischer Bündelungen und einer gewissen Irritation der Kunden: “Wo war eigentlich mein Medienbeobachter heute; wieso hat er nichts gesagt, wieso sich nicht beteiligt?”

    Erfolgsmessung in der Unternehmenskommunikation

    Neu in GB dank NLA: Jeder Hyperlink kostet jetzt 5c.

    Die Briten waren schon immer erfinderisch bei skurrilen Abgaben. Mein bisheriger Favorit war: Um auf der Straße zu rauchen, muß man für 10 Pfund eine Lizenz erwerben. So ziemlich alles stellt die NLA in den Schatten, die britische Newspaper Licensing Agency, in der die britischen Verleger mit knapp 1.000 Printtiteln eine Interessensgemeinschaft, aber möglicherweise auch ein rechtswidriges Kartell bilden.

    Vom Erfindungsreichtum der NLA sind im Wesentlichen die Medienbeobachter, aber auch die Pressestellen von Unternehmen betroffen, die schon mal einen Link setzen, wenn etwas über sie oder ihre Kunden im Internet veröffentlicht wurde. Die NLA hält jetzt die Hand auf, wenn man in einem gewerblichen Kontext Links auf Internetseiten britischer Printtitel setzt. Zum einen ist eine  Jahresgebühr von 5.000 Pfund fällig und zum anderen eine Gebühr von 5c. pro Link.

    Gerade Medienbeobachter sind beim Urheberrecht sehr genau: Wenn etwas im Volltext zitiert wird, ist es selbstverständlich, daß aus Gründen des Urheberrechts eine Lizenzgebühr zu entrichten ist.

    Aber für reine Links auch noch eine Abgabe einfordern zu wollen, schlägt dem Faß den Boden aus. Das ist kein Einfallsreichtum kreativen Raubrittertums, sondern invertiert die Freiheit des Internet, das von der wechselseitigen Verlinkung lebt. Daß Unternehmen wie Medienbeobachter mit Hyperlinks dafür sorgen, daß vor Werbung überquellende Internetseiten auch aufgerufen werden, sei nur nebenbei bemerkt.

    Auch wenn es ein Mitanbieter des Unternehmens ist, in dem ich als Onlinemedienbeobachter beschäftigt bin: In dieser Sache gebührt Meltwater Anerkennung. Im Dezember 2009 hat das Unternehmen Klage gegen die NLA eingereicht wegen der beabsichtigten Abgabe für Hyperlinks.

    Geld für urheberrechtlich geschützte Inhalte zu kassieren, auch wenn die eigentlichen Verfasser, also die Journalisten in aller Regel dabei in die Röhre blicken, halte ich für halbwegs legitim; Geld für reine Links auf Artikel britischer Tageszeitungen eintreiben zu wollen, halte ich für bedenklich, so bedenklich, daß ich Meltwater Glück wünsche und der NLA Hals- und Beinbruch.

    na, so etwas: von Gravenreuth nimmt sich das Leben

    Wie golem.de berichtet, hat sich einer der hartnäckigsten Abmahn-Rechtsanwälte umgebracht. In den nächsten Tagen hätte er für 14 Monate ins Kittchen gemußt, weil ihn die taz erfolgreich wegen Betrugs verklagt hatte. Hintergründe kann man bei der taz in einem Beitrag aus dem Jahr 2007 nachlesen. Da man über Tote nichts Schlechtes mehr sagen soll, schweige ich. Gutes zu jenem Herrn fällt mir nämlich auch nicht ein.

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